Ein­füh­rungMerk­ma­lePer­so­nasÜbungÜbung

Wie gehen wir bei der Ana­ly­se der Ziel­grup­pe vor?

Lern­an­ge­bo­te rich­ten sich an eine oder meh­re­re Ziel­grup­pen von Ler­nen­den, die genau­er zu beschrei­ben sind. Im Mit­tel­punkt ste­hen die Ler­nen­den, die in der Ziel­grup­pen­ana­ly­se genau­er betrach­tet werden. 

In dem Video erläu­tert Dr. Tan­ja Ada­mus (Fern­Uni­ver­si­tät in Hagen, frü­her am Lear­ning Lab der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Essen), wie die Ziel­grup­pe der Kon­zep­ti­on medi­en­ge­stütz­ter Lern­an­ge­bo­te ana­ly­siert wer­den kann: 

Wer ist an dem Bil­dungs­vor­ha­ben beteiligt?

In dem fol­gen­den Video erläu­tert Micha­el Ker­res, war­um die Ana­ly­se von Ziel­grup­pen und ande­ren Akteu­re bei der Ent­wick­lung eines digi­ta­len Lern­an­ge­bo­tes so wich­tig ist: 

Anhand wel­cher Merk­ma­le sind die Ziel­grup­pen zu beschreiben? 
Im Fol­gen­den wer­den Merk­ma­le benannt, die für medi­en­di­dak­ti­sche Ent­schei­dun­gen rele­vant sind und die Gestal­tung des Lern­an­ge­bots beein­flus­sen wer­den. Neben der pri­mä­ren Ziel­grup­pe, für die das Ange­bot geplant wird, ist es bei auf­wen­di­ge­ren Pro­duk­tio­nen sinn­voll, an wei­te­re Nach­nut­zungs- und Ver­wer­tungs­mög­lich­kei­ten zu den­ken. Auch für sol­che sekun­dä­ren Ziel­grup­pen wären die wesent­li­chen Merk­ma­le zu benennen.

Moti­va­ti­on
Bei der Moti­va­ti­on inter­es­siert weni­ger, ob die Ler­nen­den moti­viert sind, son­dern wodurch sie zum Ler­nen moti­viert sind. Hier­bei erweist sich vor allem die Unter­schei­dung zwi­schen intrinsi­scher und extrinsi­scher Moti­va­ti­on als rele­vant (vgl. Heck­hau­sen & Heck­hau­sen, 2010):

Intrinsisch moti­vier­te Per­so­nen ler­nen aus Inter­es­se an dem Lern­ge­gen­stand selbst oder aus Spaß an der Beschäf­ti­gung mit dem Lern­ge­gen­stand (soge­nann­te Vollzugsanreize).

Extrinsisch moti­vier­te Per­so­nen ler­nen, um ein bestimm­tes Ziel zu errei­chen, wie z. B. der Erwerb eines Zer­ti­fi­kats oder Diploms, Erhal­ten des Arbeits­plat­zes, betrieb­li­cher Auf­stieg, erhöh­ter Sta­tus, Aner­ken­nung von Freun­den usw.
Per­so­nen, die intrinsisch moti­viert sind, benö­ti­gen sel­ten zusätz­li­che Anrei­ze, um zu Lern­ak­ti­vi­tä­ten ange­regt zu wer­den. Nicht sel­ten ver­brin­gen sie vie­le Stun­den damit, sich mit einem Gegen­stand aus­ein­an­der­zu­set­zen, sie tau­chen in die Welt des Wis­sens ein („Fluss­erle­ben“). Zu beden­ken ist aller­dings, dass die­se Beschäf­ti­gung nicht unbe­dingt dazu führt, dass bestimm­te gesell­schaft­lich erwünsch­te oder per­sön­li­che Zie­le erreicht wer­den, wie z. B. ein Berufs- oder Studienabschluss.

Über­wiegt die intrinsi­sche Moti­va­ti­on, soll­te das Lernangebot:

  • ein Ein­tau­chen in eine Lern­welt mit mög­lichst umfang­rei­chen Infor­ma­tio­nen ermög­li­chen („Immer­si­on“),
  • den Ler­nen­den eine weit­ge­hen­de Kon­trol­le über Lern­we­ge überlassen,
  • den Ler­nen­den Mög­lich­kei­ten geben, die Dar­stel­lung der Lern­in­hal­te zu beeinflussen,
  • Tests und Rück­mel­dun­gen zum Lern­fort­schritt nur auf Anfor­de­rung durch­füh­ren und
  • mit abwechs­lungs­rei­chen media­len Umset­zun­gen die Neu­gier aufrechterhalten.

Bei extrinsi­scher Moti­va­ti­on ste­hen die Ergeb­nis­se und Fol­gen und damit die Zie­le der Per­son im Vor­der­grund. Die Durch­füh­rung der Lern­ak­ti­vi­tä­ten selbst wird von extrinsisch moti­vier­ten Per­so­nen mög­li­cher­wei­se als anstren­gen­der erlebt. Zugleich sind bei extrinsi­scher Moti­va­ti­on die Lern­ak­ti­vi­tä­ten eher geplant und Rück­mel­dun­gen zum Lern­fort­schritt eher erwünscht als bei intrinsi­scher Motivation.

Über­wiegt die extrinsi­sche Moti­va­ti­on, kann es hilf­reich sein:

  • beim Ein­stieg moti­vie­ren­de Maß­nah­men vorzusehen
  • die Auf­merk­sam­keit auf Zie­le des Ler­nens zu lenken
  • den Lehr­stoff in defi­nier­te, klar über­schau­ba­re Ein­hei­ten einzuteilen
  • häu­fi­ger Pau­sen vorzusehen
  • die Form der Dar­stel­lung mög­lichst kon­sis­tent zu halten
  • Tests anzu­kün­di­gen und im Anschluss der Lern­ein­hei­ten durch­zu­füh­ren und
  • den Lern­fort­schritt regel­mä­ßig zurückzumelden

Ein Pro­blem kann auf­tau­chen, wenn eine Anwen­dung, die für über­wie­gend extrinsisch moti­vier­te Per­so­nen auf­be­rei­tet wur­de, von einer Grup­pe vor­nehm­lich intrinsisch Moti­vier­ter bear­bei­tet wird. Im schlimms­ten Fall kann dies die intrinsi­sche Moti­va­ti­on redu­zie­ren: Die Per­so­nen ver­lie­ren mög­li­cher­wei­se den Spaß am Ler­nen, weil sie den Ein­druck haben, die Kon­trol­le über ihre Lern­ak­ti­vi­tä­ten zu ver­lie­ren, wenn sie z. B. mit Tests kon­fron­tiert wer­den und Lern­de­fi­zi­te fest­stel­len müssen.

Ein­stel­lun­gen und Erfahrungen

Wie las­sen sich die Ein­stel­lun­gen und Erfah­run­gen der Ziel­grup­pe beschrei­ben? Ein­stel­lun­gen kön­nen sich auf den Lern­ge­gen­stand, das Ler­nen mit dem digi­ta­len Lern­an­ge­bot oder bestimm­te Lern­for­men bezie­hen. Sind die Ler­nen­den gewohnt, „belehrt“ zu wer­den, oder erwar­ten sie eher selbst­ge­steu­er­te und sozia­le Lern­an­ge­bo­te? Haben sie gute Erfah­rung mit digi­ta­len Lern­an­ge­bo­ten gemacht?

Lern­or­te
Wo und wie wird mit dem Ange­bot gelernt? Wird das digi­ta­le Lern­an­ge­bot pri­mär zu Hau­se genutzt, am Arbeits­platz oder unter­wegs? Ein Aspekt ist der tech­ni­schen Aus­stat­tung ist dabei der Netz­zu­gang am Lern­ort und inwie­fern die­ser für das Ler­nen genutzt wer­den kann. Zu beach­ten ist, dass an eini­gen Arbeits­stät­ten ein Inter­net­zu­gang exis­tiert, der für man­che Platt­for­men oder Anwen­dun­gen gesperrt ist. Auch stellt sich die Fra­ge, ob Audio und Video wie­der­ge­ge­ben wer­den kann oder eine Web­cam vor­han­den ist oder snge­schlos­sen wer­den kann.

Wie beschrei­ben wir die Per­so­nen, für die das Lern­an­ge­bot ent­wi­ckelt wird? Die Ziel­grup­pen­ana­ly­se ori­en­tiert sich an Durch­schnitts­wer­ten, sie ver­sucht anhand typi­scher Daten die Ziel­grup­pe zu beschreiben. 

In der Soft­ware­ent­wick­lung hat sich dage­gen ein ande­res Ver­fah­ren eta­bliert: Die Erar­bei­tung von “Per­so­nas”. Damit soll ein mög­lichst leb­haf­tes Bild ein­zel­ner Per­so­nen ent­wi­ckelt wer­den. Mit der Soft­ware Mural steht ein Tool zur Ver­fü­gung, mit der sol­che Per­so­nas ent­wi­ckelt wer­den können: 


Per­so­nas mit Mural

Analyse der Zielgruppe oder Personas? 

Bit­te über­le­gen Sie, was spricht für die “tra­di­tio­nel­le” Ziel­grup­pen­ana­ly­se, was für die Erstel­lung der Personas?
Wie kön­nen sich bei­de Ver­fah­ren ergänzen?

Das Kapi­tel des Lehr­buchs erläu­tert dar­über hin­aus, dass eine genaue­re Betrach­tung aller­dings den Blick wei­ten muss, und alle Akteu­re in die Über­le­gun­gen ein­be­zie­hen muss, die bei der Pla­nung und der Durch­füh­rung des Vor­ha­bens rele­vant sind. 

– TBD —