Über­sichtTheo­rie For­schungMythenMulti‑XPra­xis
Text, Bild und Ton: Was funk­tio­niert am bes­ten beim Ler­nen? Je mehr, des­to bes­ser? In dem Kapi­tel wird auf­ge­zeigt, wie das Arbeits­ge­dächt­nis funk­tio­niert, und was sich aus der rela­tiv kla­ren For­schungs­la­ge für die Dar­stel­lung von mul­ti­me­dia­len Lern­ma­te­ri­al ergibt. Viel­leicht wird Sie dabei man­che Schluß­fol­ge­rung überraschen.
Micha­el Kerres
Arbeitsschritte
In die­sem Kapi­tel des Lehr­buchs wer­den Emp­feh­lun­gen für die Gestal­tung von Text, Bild und Ton in Lern­me­di­en for­mu­liert, und zwar auf Grund­la­ge der empi­ri­schen Lern­for­schung. Dazu fasst das Kapi­tel den For­schungs­stand zum Arbeits­ge­dächt­nis und sei­ner Bean­spru­chung, zur mul­ti­me­dia­len Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung und den Sym­bol­sys­te­men zusammen.

Gedächtnis

Literatur
Richard May­er stellt den Stand der For­schung zum Ler­nen mit Mul­ti­me­dia vor. In dem Arti­kel wird auf die ver­schie­de­nen Effek­te ein­ge­gan­gen, die Josef Buch­ner in den wei­te­ren Vide­os erläutert. 
  • May­er, R. (2017). Using mul­ti­me­dia for e-learning. Jour­nal of Com­pu­ter Assis­ted Lear­ning, 33 (5), 403–423.
  • In dem Arti­kel geht es auch um Bedeu­tung des Vor­wis­sens bei der Ver­ar­bei­tung mul­ti­me­dia­ler Infor­ma­ti­on. Wie wirkt sich das Vor­wis­sen aus? Mit wel­chen kogni­ti­ons­psy­cho­lo­gi­schen Kon­struk­ten kann der Effekt des Vor­wis­sens erklärt wer­den? Suchen Sie nach Lite­ra­tur zum exper­ti­se rever­sal effect, um das Phä­no­men genau­er erklä­ren zu können!

    Video
    Josef Buch­ner vom Lear­ning Lab stellt instruk­ti­ons­psy­cho­lo­gi­sche Grund­la­gen zum Ler­nen mit Medi­en vor. Er erläu­tert das Modell der mul­ti­me­dia­len Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung nach Richard May­er und die Theo­rie der kogni­ti­ven Belas­tung von John Swel­ler. In die­sen Vide­os sind inter­ak­ti­ve Auf­ga­ben eingebettet! 

    Multimedia-Theorie: Sinneskanäle und ‑modalitäten

    Cognitive Load: Beanspruchung des Arbeitsgesdächnitsses

    Prinzipien der Gestaltung 

    Josef Buch­ner vom Lear­ning Lab beschreibt, wel­che Gestal­tungs­prin­zi­pi­en sich aus den theo­re­ti­schen Annah­men ablei­ten lassen. 

    Was ist Multimedia? Multimedia-Prinzip  Modalitäts-Prinzip  Kontiguitäts-Prinzip  Redundanz-Prinzip  Kontiguitäts-Prinzip 

    Alan Baddeley zum Modell eines Arbeitsgedächtnisses

    John Sweller über die Cognitive Load Theory

    Richard Mayer on Multimedia Learning

    Auf­ga­be
     Stand der For­schung — Recherche 
    Arbeitsschritte
    Recher­chie­ren Sie in den bereits vor­ge­stell­ten →Zeit­schrif­ten über die fol­gen­den The­men. Suchen Sie eine Meta­ana­ly­se, die den Stand der For­schung zu den The­men zusammenführt.
    • Arbeits­ge­dächt­nis beim Ler­nen mit Medien
    • Cogni­ti­ve Load beim Ler­nen mit Medien
    • Mul­ti­me­dia­le Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung beim Ler­nen mit Meiden

    Evidenz statt Mythen

    Die jahr­zehn­te­lan­ge empi­ri­sche For­schung zur Gestal­tung von Ele­men­ten in Lern­me­di­en ist umfang­reich und kon­ver­gent. Die Medi­en­di­dak­tik kann hier auf empi­ri­sche Evi­denz zurück­grei­fen, um Gestal­tungs­emp­feh­lun­gen zu for­mu­lie­ren. Man­che Befun­de wider­spre­chen ver­brei­te­ten Annah­men, die in die­sem Fall durch­aus als Fehl­an­nah­men ein­ge­ord­net wer­den kön­nen. Der Psy­cho­lo­ge Paul Kir­sch­ner, aus den Nie­der­lan­den, hat ein Buch über die Myht­hen geschrie­ben, denen wir in ver­schie­de­nen Kon­tex­ten — auch bei Leh­ren­den — immer wie­der begeg­nen. Dazu gehört die Annah­me, Men­schen könn­ten “geis­ti­ges Mul­ti­tas­king” rea­li­sie­ren, die Annah­me von Lern­ty­pen — bezo­gen auf Wahr­neh­mungs­ka­nä­le, die Annah­me der Digi­tal Nati­ves, oder die Behaup­tung der 21st Cen­tu­ry Skills.

    Learning Stlyes do not exist.

    Beson­ders stark ist das Miss­ver­hält­niss zwi­schen der empi­ri­schen Befund­la­ge und der Annah­me von “Lern­sti­len”: Ver­brei­tet ist die Annah­me, dass sich Men­schen unter­schei­den in der Bevor­zu­gung bestimm­ter Wahr­neh­mungs­ka­nä­le. Der eine lernt bevor­zugt über den audi­tiven Kanal, der ande­re lernt lie­ber über den visu­el­len Kanal. Für die Exis­tenz eines sol­chen zeit­über­dau­ern­den Lern­sti­les als Per­sön­lich­keits­merk­mal ist kei­ne Evi­denz erkennbar.

    21st Century NOT Skills

    Die Annah­me, es gäbe spe­zi­fi­sche Fer­tig­kei­ten, die wir im 21. Jahr­hun­dert benö­ti­gen wür­den, ist sehr ver­brei­tet. Sie sind nur schlecht begrün­det, wenn man von den Fer­tig­kei­ten in der Nut­zung digi­ta­ler Sys­te­me absieht. Denn es lässt sich genau­so begrün­den, dass “alte” Bil­dungs­zie­le gera­de im 21. Jahr­hun­dert von beson­de­rer Wich­tig­keit sind.

    Multiple Wahrnehmungskanäle, Symbolsysteme oder Präsentationsmedien?

    Sper­ri­ge Begrif­fe. Doch für die Gestal­tung eines Lern­me­di­ums ist es wich­tig, dass wir die­se Begrif­fe genau unter­schei­den und zuord­nen können.

    • Wahr­neh­mungs­ka­nä­le: Sehen, Hören, Rie­chen, Schme­cken, Fühlen
    • Sym­bol­sys­te­me: Text, Bild, Zahl, Musik, Bewe­gung, und vie­le wei­te­re Aus­drucks­for­men der Bil­den­den Kunst
    • Prä­sen­ta­ti­ons­me­di­en: Bild­schirm, Bea­mer, Smart­pho­ne usw.
    Literatur
    Bernd Wei­den­mann erklärt, war­um die­se Unter­schei­dung so wich­tig ist: Text
    Quizz
    Im fol­gen­den Quizz fin­den Sie eine Zusam­men­fas­sung mit 12 zen­tra­len Aus­sa­gen des Kapi­tels des Lehrbuchs:

    Bitte keinen Text vorlesen!

    Das fol­gen­de Video habe ich für Sie erstellt, um gän­gi­ge Feh­ler bei Vor­trä­gen mit Power­point auf­zu­zei­gen. Erken­nen Sie die Feh­ler? Sie las­sen sich unmit­tel­bar aus der Befund­la­ge zum Arbeits­ge­dächt­nis, zur men­ta­len Bean­spru­chung und zur mul­ti­me­dia­len Ver­ar­bei­tung ableiten.
    Micha­el Kerres
    Beach­ten Sie: Die Dar­stel­lung von meh­re­ren Sym­bol­sys­te­men ist posi­tiv zu werten. 
    Beach­ten Sie: Die Dar­stel­lung über meh­re­re Wahr­neh­mungs­ka­nä­le kann posi­tiv gewer­tet wer­den, (nur) wenn zugleich meh­re­re Sym­bol­sys­te­me ange­spro­chen werden. 

    Welche Fehler liegen hier vor?

    Ant­wort
    • Der Vor­tra­gen­de nutzt die Foli­en als Rede­ma­nu­skript, und nicht zur Unter­stüt­zung der Ela­bo­ra­ti­on des Rezi­pi­en­ten. Dazu wäre eine deut­lich knap­pe­re For­mu­lie­rung not­wen­dig, oder eine stär­ke­re Struk­tu­rie­rung, die den Ablauf bes­ser visualisiert.
    • Ein geschrie­be­ner Text wird prä­sen­tiert und gleich­zei­tig vor­ge­le­sen. Damit wird das Arbeits­ge­dächt­nis unnö­tig belas­tet. Es muss die gehör­te und gele­se­ne Infor­ma­ti­on zusammenführen.
    • Die voll­stän­di­ge und gleich­zei­ti­ge Prä­sen­ta­ti­on des gesam­ten Tex­tes auf dem Bild­schirm ist ungüns­tig. Der Text kann schnel­ler gele­sen wer­den als er gehört wird. Auch hier muss das Arbeits­ge­dächt­nis eine unnö­ti­ge Inte­gra­ti­ons­leis­tung vollbringen.
    • Die Hin­ter­grund­gra­fik ist rein illus­tra­tiv. Sie hat kei­nen inhalt­li­chen Bezug zur Aus­sa­ge. Dies belas­tet das Arbeits­ge­dächnt­nis, weil es zunächst unnö­ti­ge von wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen sepa­rie­ren muss. Wäh­rend Fort­ge­schrit­te­ne damit kei­ne Schwie­rig­kei­ten haben, ist dies für “Anfän­ger” eine unnö­ti­ge Erschwernis.
    • Der Kon­trast zwi­schen der Schrift (weiss) und dem Hin­ter­grund (Schwarz-Bild) ist zu gering und erschwert das Lesen.